Interreligiöse Begegnung in der Kamp-Lintforter DITIB Moschee

Wie wichtig und erfolgreich das Lernen an außerschulischen Lernorten abseits von Büchern und Arbeitsblättern sein kann, zeigte der im Rahmen des Religionsunterrichts (Jahrgang 7) durchgeführte Moscheebesuch.
„Warum dürfen Muslime eigentlich nicht im Stehen pinkeln…?“ Das ist keine Frage, die im interreligiösen beziehungsweise interkulturellen Dialog gemeinhin vorrangig behandelt wird. Dass sie jedoch unter anderem in den Fokus genommen wurde, verdeutlicht gleich mehrere positive Aspekte des Moscheebesuchs unserer Siebtklässler. Im Rahmen des Unterrichts befassten sich die Schüler/innen mit wesentlichen Merkmalen des Islam und setzten diese stets in Beziehung zum Christentum. Wie weit das Interesse am Thema angesichts der Aussicht auf einen Moscheebesuch ging, sieht man daran, dass im Rahmen seiner Vorbereitung sogar die oben genannte Frage aufkam. Eine solche Frage zu stellen, fällt letztlich nicht leicht.
Die Schüler/innen wurden vom Vorsitzenden und dem Hodscha der DITIB Moschee an der Kattenstraße freundlich und aufgeschlossen empfangen. Die Kinder konnten sich ihrerseits aufgrund des Vorwissens adäquat und sicher innerhalb der muslimischen Gebetsstätte bewegen, so dass schon bereits vor dem im Zentrum stehenden Dialog eine vertraute und respektvolle Atmosphäre entstehen konnte. So wurden anschließend neben grundlegenden Fragen nach der Funktion einzelner Einrichtungsgegenstände des Gebetsraums, dem Ablauf einer Pilgerfahrt nach Mekka oder dem muslimischen Gottesbild auch Zwangshochzeiten, die Partnerschaft zwischen Muslimen und Christen, der extremistische IS und eben auch die Pinkel-Frage diskutiert. Zum Abschluss des interreligiösen Dialogs wurden die Schülerinnen und Schüler in die Teeküche gebeten und zu Saft, Keksen und Tee eingeladen und die Kinder blieben weiterhin im Gespräch über das gerade Erlebte.
Wichtiger als die Klärung inhaltlicher Fragen scheint aus der Retrospektive die Begegnung an sich für die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler/innen zu sein. Zuvor geäußerte Vorurteile und Befürchtungen im Bezug auf den Islam, die manchmal zum Beispiel aufgrund der medialen Berichterstattung über extremistisch motivierte Attentate entstehen, konnten abgebaut werden. Die Nachbereitung des Moscheebesuchs im Unterricht machte deutlich, dass die Kinder verstehen, wie wichtig es ist, informiert zu sein und sich vor allem ein eigenes – ungefiltertes – Urteil zu bilden, um letztlich ein friedliches Zusammenleben in einer dem Internationalisierungsprozess unterliegenden Gesellschaft ermöglichen zu können und ein mündiges Mitglied in einer Demokratie zu sein.